Innovative Produkte des Maschinenbaus leben zunehmend vom engen Zusammenwirken mechanischer,
elektrotechnischer, regelungs- und steuerungstechnischer sowie informationstechnischer Komponenten.
Ein neuer ganzheitlicher Ansatz bei der Entwicklung solcher Produkte ist daher erforderlich,
der in der systematischen Vorgehensweise der Mechatronik seinen Ausdruck findet.
Diese Vorgehensweise lässt sich durch den mechatronischen Entwicklungskreislauf beschreiben.
Darin werden ausgehend von der Modellbildung sukzessive die Schritte der Analyse, Synthese,
Optimierung und prototypischen Realisierung durchlaufen, bis ein optimal arbeitendes Systemkonzept
validiert ist. Auf diesem Wege wird das im Systemkonzept vorhandene Optimierungspotential
ausgeschöpft und werden innovative Produkte kostengünstig und in minimaler Zeit realisiert.
Zur Bewältigung dieser umfassenden Entwicklungsaufgabe werden kommerzielle Entwicklungswerkzeuge
wie MATLAB/Simulink und dSPACE-Echtzeitsysteme eingesetzt, die als Produktstandard gelten. Die
in diesen Entwicklungswerkzeugen enthaltenen Toolboxen und Algorithmen sind sehr leistungsfähig,
verlangen aber vom Anwender umfangreiche eigene Programmierung und die vollständige Kenntnis der
theoretischen Hintergründe.
Benötigt werden daher Erweiterungen, die es auch weniger geübten Anwendern ermöglichen, umfassende
Entwicklungsaufgaben für mechatronische Produkte zu bearbeiten. Aus diesem Grund wurden im CLM auf
der Basis von MATLAB/Simulink und dSPACE-Systemen in prototypischer Form Erweiterungen entwickelt,
die über eigene graphische Benutzeroberflächen verfügen und der Forderung nach mehr
Benutzerfreundlichkeit entsprechen. Die CLM-Tools
unterstützen als geschlossene Werkzeugkette gezielt die einzelnen Stationen des mechatronischen
Entwicklungskreislaufs.
Die CLM-Tools werden in diversen Entwicklungsaufgaben für Industriepartner sowie für eigene
Forschungsaufgaben eingesetzt.
Model Generation (MG) Tool:
Die Modellbildung bildet die Grundlage der Analyse mechatronischer
Systeme und der Entwicklung darauf basierender Steuerungs- und Regelungskonzepte. Ziel der Modellbildung ist es, ein
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mechatronisches System durch ein mathematisches Modell zu beschreiben,
das auf dem Rechner abgebildet werden kann. Zur Automation der zugehörigen Arbeitsschritte dient das MG-Tool.
Dieses Werkzeug stellt eine Funktionsbibliothek für das Formelmanipulationsprogramm MAPLE dar,
die es ermöglicht, ausgehend von einer Beschreibung der Systemtopologie nichtlineare und linearisierte
parametrische Modelle dreidimensionaler Mehrkörpersysteme in symbolischer Form zu generieren. Die Modelle werden in Form von M-Funktionen und
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C-codierten S-Funktionen so erzeugt, dass sie direkt von den Standard-Entwicklungswerkzeugen MATLAB/Simulink
importiert werden können.
Trace and Analysis (TA) Tool: Voraussetzung für die Identifikation der Modellparameter
ist die experimentelle Ermittlung des Übertragungsverhaltens
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des zugehörigen realen Systems. Diese
Aufgabe übernimmt das TA-Tool. Basierend auf dSPACE-Echtzeithardware werden geeignete Anregungssignale
erzeugt und die Systemantworten erfaßt. Die Weiterverarbeitung der Signale erfolgt auf der Ebene von
MATLAB. Das TA-Tool berechnet und plottet auf Knopfdruck ausgewählte Funktionen wie
Wahrscheinlichkeitsdichten, Spektren, Korrelationen und Frequenzgänge. Die gleichen Analysemöglichkeiten
bestehen im Offline-Modus ohne Echtzeithardware für |
Simulink-Modelle. Somit steht aufbauend auf
MATLAB/Simulink und dSPACE-Hardwaresystemen die Funktionalität eines Spektralanalysators zur Verfügung.
Parameter Identification (PI) Tool:
Mit Hilfe dieses
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Tools erfolgt die eigentliche Identifikation der Modellparameter. In einem Optimierungsprozess wird der aus gemessenen und simulierten Zeitantworten
und Frequenzgängen gebildete Modellfehler in Abhängigkeit der zu identifizierenden Modellparameter
minimiert. Als Ergebnis erhält man einen Parametersatz, der die bestmögliche Übereinstimmung von Modell
und realem System ergibt. Die benötigten Zeitantworten und Frequenzgänge können direkt vom TA-Tool
und die Modelldateien vom MG-Tool importiert werden. |
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System Optimization (SO) Tool: Die zentrale Aufgabenstellung bei der Entwicklung
eines mechatronischen Systems ist die Optimierung seines Gesamtverhaltens. Dies geschieht bei bereits festgelegter Systemstruktur
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durch eine optimale Wahl der freien Parameter, wobei alle Komponenten des Systems (Konstruktion, Steuerung,
Regelung, etc.) einbezogen werden können. Diese Station der mechatronischen Produktentwicklung unterstützt
das SO-Tool. Es ermöglicht auf der Basis eines Simulink-Modells des betrachteten Systems, das vom MG-Tool
importiert werden kann, die Minimierung beliebiger Zielgrößen unter Einhaltung beliebiger Nebenbedingungen,
die in Abhängigkeit der Modellvariablen zu formulieren sind. Die Minimierung
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erfolgt mit Hilfe der
zugehörigen Zeitantworten aus der Simulation.
Als Ergebnis dieses Optimierungsprozesses erhält man einen optimalen Parametersatz. Das resultierende
optimale System ist Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung über die prototypische Inbetriebnahme und den
Systemtest bis hin zum Serienprodukt.